10./11. April 2026
Ausflug nach Berlin
Unser Kuratoriumsmitglied André Schmitz, ehemaliger Chef der Berliner Senatskanzlei sowie von 2006 bis 2014 ehemaliger Kulturstaatssekretär von Berlin, hatte sich für uns ein Programm ausgedacht, welches spannender und abwechslungsreicher nicht hätte sein können.
Erster Treffpunkt war die Staatsbibliothek Unter den Linden. Gegründet 1914 von Friedrich Wilhelm II war sie nach dem Schloss das zweitgrößte Gebäude der Stadt und diente in Auftritt und Organisation der Symbolpolitik des Deutschen Kaiserreichs. Wir erlebten Architektur und Geschichte gleichermaßen. Besonders interessant die Auslagerung von 3 Millionen Büchern an 29 Standorte im 2. Weltkrieg und deren bis heute nicht abgeschlossene Rückführung. Im neuen Lesesaal mit einer Installation von Olaf Metzel: zahlreiche Studenten, vorwiegend am Laptop. In der Schatzkammer schließlich bewunderten wir u.a. die Original-Partitur des Freischütz von Carl Maria von Webern, Indische Miniaturmalerei sowie ein handschriftliches Reisetagebuch von Alexander von Humboldt.

Der neue Lesesaal der Staatsbibliothek Unter den Linden
Von dort nur wenige Schritte entfernt befindet sich das Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933, geschaffen von Micha Ullman, einem der bedeutendsten zeitgenössischen israelischen Künstlern. Der tief in die Erde eingelassene Raum mit leeren Regalen führte uns die fatalen Folgen der Bücherverbrennung drastisch vor Augen.

Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933, geschaffen von Micha Ullman.
Nach einem Fußweg entlang der Friedrichstraße und einer Stärkung bei „Giotto“ erwartete uns bereits Herr Dr. Berndt Schmidt, Intendant am Friedrichstadt Palast, um uns vor und hinter die Kulissen der weltgrößten Theaterbühne zu führen. Wir schauten atemlos Akrobaten beim Aufwärmen zu, hörten äußerst amüsante Anekdoten und erfuhren, welche Plätze Erich Honecker und seiner Frau vorbehalten waren.

Dr. Berndt Schmidt, Intendant und Marina Krauth,
Vorstand der Felix Jud Friends
Die anschließende Show Blinded by Delight begeisterte uns alle, vor allem wegen der vielseitigen internationalen Künstler und Künstlerinnen und ihrer flotten und phantasievollen Kostüme.
Den Abend ließen wir in der Böse Buben Bar ausklingen. Ein Ort mit Drinks und Büchern!

Am Samstag wurden wir am Vormittag durch das Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt geführt. Es gehört zur Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand und wurde in der ehemaligen Blindenwerkstatt des Kleinfabrikanten und Judenretters Otto Weidt in Berlin-Mitte eingerichtet. Weidt stellte meist blinde Juden an, die Besen und Bürsten fertigten. Er belieferte u.a. die Wehrmacht und schütze so seine Angestellten vor der Deportation. Der Autorin Inge Deutschkron („Ich trug den gelben Stern“, dtv Verlag) verschaffte er einen gefälschten Ausweis und ließ sie in seinem Büro arbeiten. Sie setzte sich später maßgeblich für die Einrichtung dieses Museums ein. Die grausame Dramatik der Zeit wurde uns in dieser Werkstatt sehr bewegend vor Augen geführt.

Die Felix Jud Friends lauschen unserer eloquenten Führerin
Nach einem Besuch im Restaurant Hackescher Hof fuhren wir zum Schloss Tegel. Das Schloss ist das Elternhaus der Brüder Humboldt und der letzte noch im Besitz der Nachkommen früherer Eigentümer befindliche märkische Herrensitz. Hier empfing uns Alexander von Heinz, der uns persönlich durch das von Karl Friedrich Schinkel konzipierte Gebäude führte, das nur selten öffentlich zugänglich ist. Unübersehbar: Wilhelm von Humboldts Vorliebe für das klassizistische Rom. Am Humboldt´schen Familiengrab im Schlosspark legten wir einen Kranz nieder. Wir sind überaus dankbar für diese unvergessliche private Führung.

Der niedergelegte Kranz am Humboldt´schen Familiengrab im Schlosspark.
Erfüllt von diesen schönen und bewegenden Eindrücken feierten wir unseren Berlin Ausflug in einem Café am Tegeler See.