21. September 2026

Hamburger Gebäude-Ikonen: Stille Präsenz und ihr gemeinsamer Dialog

Ein Rundgang durch die Hamburger Innenstadt mit Cornelia Eberhardt.
Den Vereinsmitgliedern ist Cornelia Eberhardt durch ihre Arbeit für die Felix Jud Friends vertraut – heute erwies sie sich als sachkundige Begleiterin.

Auf unserem Spaziergang besuchten wir Gebäude, die in 1920er Jahren, als Felix Jud seine Buchhandlung gründete, für den Aufbruch in die Moderne standen und deren Entstehung er vor Ort erlebt hat.

Erste Station war der Meßberghof 1, bis 1938 Ballinhaus genannt, erbaut von 1922 bis 1924. Er ist Teil des Unesco Weltkulturerbes im Kontorhausviertel bestehend aus Chilehaus, Meßberghof und Sprinkenhof.

Der Meßberghof sticht besonders durch seine klare Linienführung und seine gerundeten Fassadenecken hervor. Architekten waren die Gebrüder Hans und Oskar Gerson, die ab 1933 mit Berufsverbot belegt wurden. Albert Ballin, nach dem das Haus benannt worden war, zählte zu den bedeutendsten jüdischen Persönlichkeiten des Deutschen Kaiserreichs und entwickelte die HAPAG zur größten Schifffahrtslinie weltweit. Die Nazis benannten das Ballinhaus in Meßberghof um. Nach Ende des Krieges kehrte man nicht zu dem ursprünglichen Namen zurück. Es blieb bei Meßberghof.

Gedenktafel Albert Ballin am Meßberghof, Fassade Meßberghof,

Im Herzen des Gebäudes befindet sich ein sehr eindrucksvolles, opulentes Treppenhaus, das von einer Glaskuppel gekrönt wird, die einen abstrahierten Davidstern darstellt.
Wir betrachteten die Eingangsverzierungen in Form von Grotesken, die an kirchliche Wasserspeier aus dem Mittelalter erinnern. Frau Eberhardt wies besonders auf ihr expressionistisches Design hin. Unser Mitglied Jakob von Saldern berichtete von der Firma seines Großvaters, die auch in diesem Gebäude ansässig war und legte uns alte Fotos und Grundrisse vor. Ebenfalls erfuhren wir die Geschichte der Firma Tesch & Stabenow, die im Meßberghof ihren Sitz hatte und im Zweiten Weltkrieg Zyklon B an Konzentrationslager lieferte, welches ursprünglich im Hamburger Hafen als Ungeziefervernichtungsmittel benutzt worden war. Mit dieser entsetzlichen Firmengeschichte wird das Gebäude bis heute verbunden. Eine Tafel an der Außenfassade erinnert daran. Für Albert Ballin ist ebenfalls eine Gedenktafel angebracht.

Auf dem Weg zu Hapag-Lloyd erinnerte Cornelia Eberhardt an den Oberbaudirektor und Architekten Fritz Schumacher, der mit seiner progressiven Gebäudeplanung und Straßenführung dieses Kontorhaus-Viertel entscheidend geprägt hat. Bewusst wandte er sich von der Moderne Manhattans ab: die Gebäude sollten nicht über mehr als 10 Stockwerke verfügen und wurden mit regionalem Backstein errichtet.

Am Ballindamm betraten wir das Hapag-Lloyd Haus durch den Haupteingang, nachdem wir die alte, von Martin Haller (1903), und die erweiterte neue Fassade, iniziiert von Albert Ballin, entworfen von Fritz Höger, begonnen 1913, vollendet 1921 uns mit Hilfe von alten Fotografien vergegenwärtigt hatten. 
Durch das Gebäude führte uns Hapag-Lloyd Mitarbeiterin Martina Fähnemann und brachte uns die Geschichte der Hapag, die später (1970) mit dem Norddeutschen Lloyd, der in Bremen ansässig war, zu Hapag-Lloyd fusionierte, näher. Mit der Erweiterung der Geschäftsfelder und der Fusion wuchs auch das Gebäude. Eine kleine Ausstellung von Schiffsplakaten und Modellschiffen legt Zeugnis von der Geschäftsentwicklung ab. Außerdem bewunderten wir die Kantine mit ihrem schönen erhabenen Kuppeldach, die ehemals als Tickethalle für erste Klasse Passagiere diente. 

Blick nach oben: Kuppeldach im Hapag-Lloyd Gebäude, das an Kuppeln in Hapag Ozeanriesen erinnert,
Blick nach unten: Kantine im Hapag-Lloyd Gebäude

Zum Abschluss schlenderten wir zu Felix Jud, um uns dort nach einem Umtrunk die aktuelle Ausstellung ‘Im Freien” von Marina Krauth, Vorständin der Felix Jud Friends vorstellen zu lassen. Zahlreiche  Künstlerinnen und Künstler, die Felix Jud vertritt, widmen sich auf unterschiedlichste Weise dem Ausstellungsthema, u.a. von Claudia Berg und Katharina Duwe über Klaus Fußmann, Carl Lohse, Carl Moll bis hin zu Peter Wels.