10.April 2025
Feridun Zaimoglu

Am 10. April war der Schriftsteller Feridun Zaimoglu zu Gast am Neuen Wall, um unserem Freundeskreis sein sehr persönliches Buch „Sohn ohne Vater“ vorzustellen.
Er las einige Passagen – deutlich länger als geplant, da die Zuhörer gebannt lauschten und mehr einforderten.
Im Gespräch mit Marina Krauth beantwortete er Fragen zu seiner Kindheit, seiner großen Affinität zur Lyrik, seiner Begeisterung für Sprache und eigene Sprachschöpfungen. Thema waren auch seine Auseinandersetzung mit der Bildenden Kunst – er schätzt besonders die Malerei des Expressionismus. Diskutiert wurde zudem der Begriff „Heimat“.
Wir erfuhren, dass seine Kindheit geprägt war von beengten Wohnverhältnissen, von Lärm und dem Verbot der Eltern, mit türkischen Kindern zu spielen. So habe er in einem Jahr perfektes Deutsch lernen können. Der Umgang mit Sprache sei ihm ein besonderes Anliegen – in dem Roman „Evangelio“ erfand er sogar eine eigene Sprache der Luther-Zeit. Die tägliche Beschäftigung mit Lyrik schon beim ersten Kaffee am Morgen ist ihm Herzensangelegenheit und Inspiration zugleich. Über den Begriff „Heimat“ wurde in der Runde angeregt gesprochen – Zaimoglu verriet schließlich, dass er vor jedem neuen Buch seine Identität komplett ablegen müsse, um in neue Figuren hineinzuschlüpfen.
Mit einem Glas Wein beschlossen wir den Abend.